
Ein Plädoyer für wissensbasierte Eigenverantwortung.
Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) ist die Plattform für alpine Sicherheit in Österreich und ein Meinungs- und Bewusstseinsbildner zum Thema Unfallprävention im alpinen Raum. Hundertprozentige Sicherheit gibt es weder im Leben und schon gar nicht im freien Naturraum. Die Verantwortung trägt immer die:der Einzelne:n und es gilt, Entscheidungen inklusive der daraus resultierenden Konsequenzen bewusst zu treffen.
Neben der Senkung der alpinen Unfallzahlen ist die Aus- und Fortbildung und damit die Förderung der Eigenverantwortung im Bergsport eines der Hauptziele des ÖKAS. Eine Kriminalisierung oder Versicherungsentzug wird vom ÖKAS und Expert:innen als nicht zielführend abgelehnt. Der Schwerpunkt sollte dagegen auf präventiven Maßnahmen wie der Optimierung des Informationsflusses für die Prävention innerhalb der alpinen Szene liegen. Die Anpassung an aktuelle Bedingungen muss das Leitmotiv jeder Tourenentscheidung sein.
Stellungnahme ÖKAS
„Der alpine Raum außerhalb der geschützten Räume, wie z. B. Siedlungen, Verkehrswege und Skipisten, wird nie zu hundert Prozent sicher sein – und muss es auch nicht. Wichtig ist, dass Menschen, die den ungesicherten alpinen Raum betreten, Wissen über die potenziellen Gefahren haben und damit eigenverantwortlich entscheiden können, welches Risiko für sie akzeptabel ist. Entsprechend sollte die Routenwahl erfolgen. Risikoabschätzung und Wahl des persönlich akzeptablen Risikoniveaus ist Teil unseres Lebens, nicht nur am Berg. Verbote sind in einer aufgeklärten, demokratischen und liberalen Gesellschaft das allerletzte Mittel, um einen großen Schaden für die Bevölkerung zu vermeiden und für den alpinen Raum mit ganz wenigen Ausnahmen nicht zielführend. Sinnvoll und nachhaltig ist die Sensibilisierung und Aufklärung der im alpinen Raum agierenden Menschen.“
Peter Paal, Präsident ÖKAS
Stellungnahme Österreichischer Bergrettungsdienst, Bundesverband
„Der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) als Rettungsorganisation für das unwegsame und alpine Gelände hat eine einheitliche Meinung zu den Verfahren und Abläufen nach dem Eintritt eines Notfalls im alpinen Gelände. Für das rechtliche Umfeld sieht sich der Österreichische Bergrettungsdienst als nicht zuständig. Im Bereich der Prävention unterstützt die Bergrettung alle Aktivitäten von alpinen Vereinen, Bergsportführerorganisationen und weiteren kompetenten Organisationen. Als demokratische parteilose Rettungsorganisation, die in einem Verein organisiert ist, bleibt es jedem Mitglied offen, seine eigene Meinung dazu zu haben. Als Organisation wird aber davon Abstand genommen, Forderungen für rechtliche Änderungen zu erheben. Die Warnhinweise seitens der Lawinenwarndienste und Wetterdienste sowie die Möglichkeit, sich dazu auch lokal zu informieren, sind aus Sicht der Bergrettung sehr gut und kompetent aufbereitet.“
Stefan Hochstaffl, Präsident Österreichischer Bergrettungsdienst, Bundesverband (ÖBRD)
Stellungnahme Verband Österreichischer Berg- und Skiführer
„Der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer ist verwundert über den Vorstoß der Landesrätin Astrid Mair. Eine „Bestrafung“ von Wintersportlern ist nicht zielführend. Erfahrungsgemäß führt sie – wie bereits in der Stellungnahme des ÖBRD sowie ÖKAS – nicht zu einer Verbesserung, sondern vielmehr zum Gegenteil. Auch der Einsatz des AT-Alerts zu diesem Zweck erscheint fragwürdig. In Kombination mit medialer Zuspitzung ist dies kein geeignetes Mittel, um sachliche Information und nachhaltige Aufklärung zielgruppengerecht zu vermitteln. Die pauschale Verknüpfung mit einer Lawinenwarnstufe, die lediglich eine regionale Einschätzung darstellt und weder lokale noch zonale Beurteilung ermöglicht, greift zudem zu kurz und entbehrt einer fachlichen fundierten Grundlage. Die österreichischen Berg- und Skiführer gewährleisten ein umfassendes Risikomanagement und bilden einen wesentlichen Eckpfeiler des alpinen Tourismus. Sie leisten einen breiten Wissenstransfer – vom Gast über die Ausbildung bis hin zu Bergrettung und Lawinenkommission – und tragen damit maßgeblich zur Sicherheit der Allgemeinheit bei. Als Mitglied des ÖKAS stehen wir im kontinuierlichen Austausch mit allen bundesweit tätigen alpinen Organisationen und arbeiten gemeinsam – Winter für Winter – an der Weiterentwicklung der Sicherheit im Bergsport. Selbstverständlich bringen wir unsere Expertise auch konstruktiv in den Tiroler Sicherheitsapparat ein.“
Walter Zörer, ÖKAS Vorstandsmitglied, Präsident Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer
Statement Robert Wallner
„Ich bin gegen eine Anlassgesetzgebung. Betretungsverbote (rote Ampel) oder versicherungsrechtliche Folgen bei Lawinenwarnstufe 4 und 5 würden zahlreiche juristische Fragen aufwerfen und werden nicht zur Vermeidung von Unfällen beitragen. Auch muss man die Forderung zu Ende denken: d.h.: Polizeikontrollen, Zwangsmaßnahmen gegen Unverbesserliche, Anzeige, Verwaltungsstrafe, Ersatzfreiheitsstrafe. Ich bin für Aufklärung und Eigenverantwortung und gegen staatliche Intervention und Bürokratie.“
Robert Wallner, ÖKAS Expertenmitglied, Alpinjurist
Statement Österreichischer Alpenverein
„Der Österreichische Alpenverein schließt sich vollumfänglich den vorhergehenden Statements an: Der ÖAV setzt auf hochwertige Präventionsarbeit im Rahmen von Ausbildungskursen, sowohl für seine Mitglieder als auch für seine Multiplikatoren: Aufklärung, Sensibilisierung für Naturgefahren und die Fähigkeit, sich risikobewusst im alpinen Gelände zu Verhalten, sind die zentralen Punkte. Er lehnt Verbote als Mittel zum Zweck strikt ab.“
Gerhard Mössmer, ÖKAS Vorstandsmitglied, Abt. Bergsport – Österreichischer Alpenverein (ÖAV)
Pressekontakt:
Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS)
Geschäftsstelle Innsbruck
Olympiastraße 39, 6020 Innsbruck
office@alpinesicherheit.at, +43 512 365451
Kontakte für Experteninterviews:
- Peter Paal – Präsident Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS)peter.paal@alpinesicherheit.at
- Stefan Hochstaffl – Präsident Österreichischer Bergrettungsdienst (ÖBRD)
office@bergrettung.at, +43 1 251 1919 140 - Martin Gurdet – Geschäftsführung Österreichischer Bergrettungsdienst (ÖBRD)
office@bergrettung.at, +43 1 251 1919 140 - Walter Zörer – Vorstandsmitglied ÖKAS | Präsident Verband d. Öster. Berg- und Skiführer (VÖBS) walter.zoerer@bergfuehrer.at, +43 676 5996660
- Gerhard Mössmer – Vorstandsmitglied ÖKAS | Abt. Bergsport Österreichischer Alpenverein (ÖAV) gerhard.moessmer@alpinesicherheit.at, +43 512 59547-29 | +43 664 9623140
- Robert Wallner – Expertenmitglied ÖKAS | Alpinjurist robert.franz.wallner@gmail.com



