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Beim Zustieg von Vent zur Martin Busch Hütte starben am 11. April 2024 drei Skitourengeher im Niedertal. Insgesamt zehn Personen wurden von einer Lawine erfasst. Dieser Unfall einer 18-köpfigen Gruppe aus den Niederlanden, die mit vier Bergführern unterwegs war, war der schwerste im Betrachtungszeitraum und hat nicht nur aufgrund seiner medialen Aufbereitung für Diskussionen gesorgt. Hier der Abschlussbericht der Alpinpolizei.
Christoph Silberberger
Bergführer (Polizei & IVBV), Leiter der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) Kufstein
Sachverhalt
Vier staatlich geprüfte Berg- und Skiführer starteten am 11. April 2024 gemeinsam um ca. 8.30 Uhr mit 18 niederländischen Skitourengehern zu einer geplanten VierTagestour von Vent (1.900 m) durch das Niedertal in Richtung Martin Busch Hütte (2.501 m). Bereits nach einigen Minuten musste ein Teilnehmer aufgrund körperlicher Beschwerden umkehren.
Mit den nun 17 Teilnehmern gingen die vier Bergführer auf einer bereits bestehenden Aufstiegsspur zum sogenannten „Liechtl“, um dort eine erste geplante Pause durchzuführen. Vor und auch nach der Pause wurde die Skitour von zwei Bergführern angeführt, dann folgten die Teilnehmer und den Abschluss der Gruppe bildeten die zwei weiteren Bergführer. Eine Zuordnung der Teilnehmer an einen bestimmten Bergführer gab es nicht.
Wenige Minuten nach der ca. zehnminütigen Pause, um 10.50 Uhr, wurden die Skitourengeher von einer spontanen Nassschneelawine überrascht, wobei zehn Teilnehmer von der Lawine erfasst wurden. Die sieben vordersten der Gruppe (2 Bergführer und 5 Kunden) sowie die vier am Schluss gehenden (2 Bergführer und 2 Kunden) wurden nicht erfasst bzw. konnten der Lawine entweichen. Fünf Kunden wurden jeweils mehrere Meter mitgerissen und kamen an der Oberfläche zu liegen bzw. waren teilverschüttet und wurden nicht verletzt. Ein Kunde, der bis zur Brust teilverschüttet und ein weiterer, der ca. 160 Zentimeter nicht sichtbar ganzverschüttet war, wurden nach ca. 20 Minuten leicht verletzt geborgen. Drei nicht sichtbar ganzverschüttete Kunden konnten nur noch tot geborgen werden.
Übersichtskarte des Unfallgebietes: Der Anstieg durch das Niedertal zur Martin Busch Hütte (2.501 m) ist der Start zur klassischen Ötztaler Skidurchquerung, der sog. „Venter Runde“. Eine Übernachtung auf dieser Hütte am ersten Tag ist die gemütlichere Variante, oft wird gleich weiter zur Similaunhütte (3.019 m) gegangen. Eine von 4 staatlich geprüften Tiroler Berg- und Skiführern geführte 18-köpfige niederländische Skitourengruppe startete am 11. April 2024 um ca. 8.30 Uhr in Vent (1.900 m) mit dem Tagesziel Martin Busch Hütte. Nachdem ein Teilnehmer wegen Problemen umdrehen musste und nach einer kurzen geplanten Pause, ging um ca. 10.50 Uhr eine Lawine OSO-seitig unterhalb der Talleitspitze (3.406 m) ab. Ein Teil der Skitourengruppe wurde erfasst und teil- bzw. ganz verschüttet.
Karte: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen | © BEV, CC BY 4.0, data.bev.gv.at
Bekanntwerden
Am 11. April 2024 um 10.53 Uhr wurden die Alpinpolizei sowie der Hubschrauber des BMI (Libelle Tirol) von der Leitstelle Tirol über einen Lawinenabgang mit zehn Verschütteten in Vent, Niedertal in Kenntnis gesetzt. Der diensthabende Alpinpolizist begab sich daraufhin unverzüglich nach Vent, um an der ersten allgemeinen Hilfeleistung bzw. der Sachverhaltsaufnahme mitzuwirken. Im Weiteren wurden die Notarzthubschrauber Martin 2, Christophorus 5, Robin 3, Gallus 3 und die Bergrettungsortsstellen Sölden, Längenfeld, Obergurgl, Umhausen sowie mehrere Lawinenhundeführer alarmiert. Zudem wurden weitere Alpinpolizisten und Streifenpolizisten der Polizeiinspektion Sölden zur Unterstützung der Einsatzkräfte nachgefordert.
Übersichtsfoto des Unfallgebietes: Die Situation im Niedertal eine knappe Stunde nach dem Lawinenabgang. Die Unfalllawine ist schwarz umrandet. Wann genau welche der zahlreichen anderen sichtbaren frischen Lawinen abgegangen sind, ließ sich nicht genau rekonstruieren, die meisten wurden nach dem Abgang der Unfalllawine registriert.
Foto: Alpinpolizei (Unfalltag, 11.41 Uhr)





