Zwei Begleiter am Berg, die sich nicht so gut verstehen: das Smartphone und LVS-Gerät.
Autor: Michael Larcher, ÖAV; Titel: © Archiv ÖKAS

Das tragbare Notrufgerät

Seit das Telefon sich von allen Kabeln befreit hat und mobil geworden ist, ist es ein unverzichtbarer Begleiter am Berg. Es kann im Notfall Leben retten und Hilfe schneller herbeiholen. Mit der neuen Generation von Mobiltelefonen – den Smartphones – hat das „tragbare Notrufgerät“ viele neue Features bekommen und ist zu einem Kleincomputer geworden. Dieser kann nicht nur Bilder und Videos von den Erlebnissen und Abenteuern machen, sondern er navigiert, orientiert und positioniert, wie z. B. dann, wenn er mit der Notfall-App der Bergrettung GPS-Daten vom Standort an die Leitstelle weitergibt. Mit jeder weiteren App kommen neue Möglichkeiten und Verwendungszwecke hinzu, die das Leben erleichtern und verschönern.

Ein Handy der neuesten Generation mit unzähligen Applikationen, die zumeist ständig im Hintergrund laufen, kann aber am Berg auch zum Problem werden. Nämlich dann, wenn seine Signale jene des LVS-Gerätes stören. Denn, obwohl mittlerweile Such-Apps angepriesen werden, kann das Smartphone niemals das LVS-Gerät ersetzen.

Und somit stellt sich für Freerider und Tourengeher die Frage, wohin mit dem Smartphone während das LVS-Gerät auf Tour und bei den Abfahrten natürlich eingeschaltet ist. Kaum jemand hat sein Smartphone ausgeschaltet im Rucksack, da es ja oft für andere Dinge am Berg auch noch verwendet wird. Weil es zum Navigieren, zum Fotografieren oder Filmen gebraucht wird, landet es vielfach in der Brusttasche der Jacke. Darunter, unter der äußeren Oberbekleidung, befindet sich aber nach gängigem Usus das LVS-Gerät.

Abbildungen: Smartphone vs LVS © Michael Larcher - ÖAV

Das Problem zwischen Smartphone & LVS

Ein Smartphone im Nahbereich des LVS-Gerätes kann vor allem bei der Suche in Punkto Entfernung und Richtungsangabe das LVS-Gerät ins „Strudeln“ bringen. Im Selbstversuch haben wir beim Nahkontakt des Smartphones mit dem LVS-Gerät schockierende Reaktionen erlebt. Der Richtungspfeil ging plötzlich unkontrolliert hin und her. Die Entfernungsangabe änderte sich jede Sekunde in einem unmöglichen Verhältnis.

Die Expertenempfehlung

Wo soll man das LVS-Gerät tragen und wo das Smartphone?

Michael Larcher: Das LVS soll man so tragen, wie es die Hersteller empfehlen: Im Tragesystem, das mit jedem LVS-Gerät mitgeliefert wird. Auch ok ist das Tragen in der Hosentasche, wenn diese mittels Reißverschluss verschließbar ist.
Zum Smartphone: Ja, ein Mobiltelefon ist eine potenzielle Störquelle für ein LVS-Gerät! 2015 waren alle fünf LVS-Hersteller miteinander in Kontakt und haben sich – basierend auf Labor- und Feldtests der Hersteller, die alle zum selben Ergebnis kamen – auf eine einheitliche Kommunikation der Abstandsempfehlung wie folgt geeinigt:

  • im Sendemodus mind. 20 cm
  • im Suchmodus mind. 50 cm Abstand zwischen LVS-Gerät und dem Smartphone

LVS-Gerät am Brustgurt, Smartphone in der Hosentasche – reicht die Entfernung? Und was passiert, wenn ich zusammengekauft im Schnee hocke und die beiden Geräte so aufeinandertreffen?

Michael Larcher: Das LVS in der mitgelieferten Tragetasche kommt ja nicht auf der Brust zu liegen, sondern seitlich oberhalb des Hüftknochens. Wird das Smartphone in der gegenüberliegenden Hosentasche getragen, müsste der Abstand von 20 cm gegeben sein. Ich trage mein Smartphone lieber in der gegenüberliegenden, seitlichen Brusttasche.
Handy als Notrufmöglichkeit

Auf Tour, bei der Abfahrt: Smartphones im Flugmodus? Smartphones ausschalten?

Michael Larcher: Der Telefonmodus ist nicht relevant! Ob Normalmodus, Flugmodus oder Telefon ausgeschaltet – die Störwirkung ist immer dieselbe. Wichtig ist einzig der Mindestabstand von 20 cm, der auch im Fall einer Verschüttung gewährleistet sein soll.

Was, wenn ich das Smartphone zur Orientierung brauche?

Michael Larcher: Das ist kein Problem, da in dieser Situation weder der Sendemodus noch der Suchmodus meines LVS-Gerätes notwendig ist, eine evtl. Störung also keine Rolle spielt. Zudem halte ich beim Orientieren das Smartphone ohnedies vor meinem Körper und nahe am Kopf, somit klar außerhalb der 20 cm-Zone.

Ob Normalmodus, Flugmodus oder Telefon ausgeschaltet – die Störwirkung ist immer dieselbe.

Michael Larcher, ÖAV

Abbildung: Skitour © Peter Plattner - argonaut.pro I ÖKAS

Im Ernstfall, bei der Suche: wenn ich mit dem Smartphone die Rettungskräfte informieren/in Kontakt bleiben muss bzw. als einziger Suchender auch das LVS bedienen muss.

Michael Larcher: Der empfohlene Mindestabstand von 50 cm ist bereits ein deutlicher Hinweis, dass die Störwirkung im Suchmodus heikler ist als im Sendemodus. Allerdings halten wir das LVS-Gerät bei der Suche ja beinahe in Armlänge vor dem Körper und der Abstand von 50 cm müsste dadurch gewährleistet sein. Wenn nicht, müsste man das Gerät zurücklassen, was wir im Alpenverein allerdings nicht als Standard empfehlen. Den Notruf absetzen und mit der Leitstelle bzw. mit den Rettungskräften in Verbindung bleiben – diese Aufgabe kann man delegieren. Wenn ich allein bin, muss der Verschüttetensuche der Vorrang vor dem Notruf gegeben werden. Ob die organisierte Rettung Zeit verliert, ist nicht so bedeutend, wie der Zeitverlust im Rahmen der Kameradenbergung.

Handy im Rucksack: im Ernstfall vielleicht zu wenig schnell/gut griffbereit?

Michael Larcher: Handy im Rucksack ist ok, der Zeitfaktor ist ja nicht so bedeutend. Das Tragen am Körper soll ja in erster Linie die Leistungsdauer des Akkus erhöhen.

Standorte Flugrettung