
Was passiert eigentlich beim Wandern in Österreich? Gibt es typische Unfallmuster? Wo ereignen sich die meisten Vorfälle – und worauf sollte man besonders achten? Ein Blick in die alpine Unfallstatistik von ÖKAS und BMI zeigt deutlich: Von allen alpinen Disziplinen fordert das Wandern in Österreich mit Abstand die meisten Todesopfer. Im Durchschnitt sterben jährlich 106 Personen beim Wandern, während es auf Pisten und Skirouten rund 29, und auf Skitouren etwa 22 Todesopfer pro Jahr sind.
Susanna Mitterer über die Wanderunfälle und ihre Ursachen.
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com
Susanna Mitterer
Geschäftsstelle ÖKAS
Susanna Mitterer ist Geographin. Nach Stationen bei alpS, der Universität Innsbruck, dem SLF in Davos und der ÖGSL ist sie seit 2022 wieder am ÖKAS tätig. Dort betreut sie nicht nur die Alpine Notfalldatenbank und deren Auswertung, sondern ist auch für die Organisation des Alpinforums, die Bearbeitung von Presseanfragen, das Magazin analyse:berg sowie viele weitere Aufgaben verantwortlich.
Als Grundlage für alle Auswertungen des ÖKAS dient uns die Alpinunfalldatenbank des Bundesministeriums für Inneres und der Alpinpolizei. Diese gibt es bereits seit den 1980er Jahren, seit 2005 ist die Erfassung digital. Alle Unfälle, die gemeldet werden (z. B. über den Notruf) werden von der Alpinpolizei aufgenommenund in die Datenbank eingegeben. In den letzten 20 Jahren wurden 160.000 Ereignisse mit 234.000 Verunfallten in der Datenbank abgelegt. Ein riesengroßer Datenschatz also, der nur durch die Arbeit der Alpinpolizist:innen vorhanden ist, denn ohne ihre akribische Aufnahme gäbe es auch keine Alpinunfallstatistik. Dennoch stellt diese Unfall- bzw. Notfalldatenbank nicht die Gesamtheit aller Unfälle dar (beispielsweise sind Unfälle, bei denen das Opfer selbst ein Krankenhaus aufsucht, nicht in der Datenbank), sehr wohl aber eine repräsentative Stichprobe.
Unfallstatistik Wandern/Bergsteigen
Die Zahlen der Verunfallten
Im Schnitt gab es in den letzten 10 Jahren 12.000 Verunfallte pro Jahr (Unverletzte, Verletzte und Tote) in Österreich – gesamt über alle Sportarten. Allein beim Wandern verzeichnen wir im Schnitt 2.600 Verunfallte im Jahr, davon sind 1.000 unverletzt, 1.500 verletzt und 106 sind tot. In Summe sind das 37 Prozent aller Alpintoten.
„Wandern ist damit die tödlichste Disziplin, die in der Unfalldatenbank erfasst wird.“
Im Verlauf der letzten 10 Jahre sieht man deutlich, dass sowohl die Zahl der Unverletzten als auch der Verletzten beim Wandern kontinuierlich steigt. Das hat damit zu tun, dass immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind. Die Zahl der Toten hingegen bleibt aber erfreulicherweise nahezu gleich. Alle präsentierten Zahlen spiegeln das 10-Jahre-Mittel (1.11.2015 bis 31.10.2025) in Österreich wider.
Folien zu den Wanderunfällen aus dem Vortrag von Susanna Mitterer im Rahmen des Alpinforums 2025.
Unfallursachen beim Wandern
Sturz/Stolpern/Ausgleiten und Absturz
Häufigste Ursache mit 40 Prozent ist „Sturz/Stolpern/Ausgleiten“. Von den rund 1.100 durch Sturz/Stolpern/Ausgleiten Verunfallten ist der Großteil „nur“ verletzt, aber es gibt im Schnitt auch 30 Tote.
Wesentlich seltener – nämlich nur mit 2 Prozent – kommt die Unfallursache „Absturz“ zum Tragen. Allerdings verunglücken bei dieser Ursache wesentlich mehr Wanderer tödlich– von den insgesamt 64 Verunfallten, sterben 26 an den Folgen des Absturzes.
„Zusammengenommen sind die Unfallursachen „Sturz/Stolpern/Ausgleiten“ und „Absturz“ für 51 Prozent aller Toten beim Wandern verantwortlich.“
Sieht man sich das Alter der Personen an, die durch diese beiden Unfallursachen verunfallen, fälle auf, dass der Anteil der Toten bei Absturz über das Alter relativ gleichmäßig verteilt ist – mit einem geringen Anstieg bei den 51- bis 60-Jährigen. Bei Sturz/Stolpern/Ausgleiten hingegen gibt es einen Peak bei den 51- bis 70-Jährigen.
Folien zur Unfallursache „Sturz/Stolpern/Ausgleiten“ aus dem Vortrag von Susanna Mitterer im Rahmen des Alpinforums 2025.
Verirren/Versteigen und Erschöpfung
Die zweithäufigste Unfallursache ist „Verirren/Versteigen“. Hier gibt es viele Notfälle mit Unverletzten. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Unfallursache „Erschöpfung“, auch hier bleiben viele unverletzt. Diese zwei Unfallursachen machen zusammen 60 Prozent aller Unverletzten beim Wandern aus und sorgen für viele Einsätze der Rettungsorganisationen.
Sieht man sich das Alter dieser Gruppe an, darf man durchaus ein wenig überrascht sein, denn vor allem bei „Verirren/Versteigen“ trifft dies vor allem auf relativ junge Personen zwischen 21 und 30 Jahren zu.
Folien zu den Unfallursachen „Verirren/Versteigen“ und „Erschöpfung“ aus dem Vortrag von Susanna Mitterer im Rahmen des Alpinforums 2025.
Herz-Kreislauf-Störung
Diese Unfallursache wird immer als die häufigste genannt und sie ist auch für 37 Prozent der Toten beim Wandern verantwortlich. In Bezug auf das Alter sieht man, dass bereits ab 51 Jahren ein deutlicher Anstieg zu sehen ist.
Folie zur Unfallursache „Herz-Kreislauf-Störung“ aus dem Vortrag von Susanna Mitterer im Rahmen des Alpinforums 2025.
Geschlechterspezifische Unterschiede
Bei den Verunfallten gesamt gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei den Toten ist das Bild allerdings keinesfalls ausgeglichen – tatsächlich sind 81 Prozent der Toten beim Wandern männlich. Aufgesplittet auf die Unfallursachen sieht man den Unterschied der Geschlechter bei der Unfallursache Herz-Kreislauf-Störung noch deutlicher: Hier sind 92 Prozent der Toten männlich. Bei der Unfallursache Sturz/Absturz sind 75 Prozent der Toten männlich.
Folie zu den geschlechterspezifischen Unterschieden der Verunfallten beim Wandern aus dem Vortrag von Susanna Mitterer im Rahmen des Alpinforums 2025.
Weitere Unfallursachen
In den letzten 10 Jahren sind zusammengenommen (hier die Zahlen also nicht im Mittel der letzten 10 Jahre, sondern gesamt) 1.061 Menschen beim Wandern tödlich verunglückt. Die Hautursachen haben wir bereits erörtert. Daneben gibt es aber auch noch andere Ursachen, wie etwa Tote durch Blitzschlag – 6 in den letzten 10 Jahren. Auch Lawinenunfälle sind beim Wandern möglich z. B. in einer Frühjahrssituation oder im Frühwinter – hier gab es 8 Tote in den letzten 10 Jahren. Außerdem gab es in den letzten 10 Jahren 18 Tote durch Steinschlag.
Folie zu den weiteren Unfallursachen beim Wandern und Bergsteigen aus dem Vortrag von Susanna Mitterer im Rahmen des Alpinforums 2025.
Zusammenfassung
- Die meisten Verunfallten sind den Ursachen Sturz, Verirren und Erschöpfung (70 %) zuzuschreiben.
- Die meisten (70 %) verletzen sich aufgrund von Sturz/Stolpern/Ausgleiten.
- Die gefährlichsten Notfälle sind Herz-Kreislauf-Störung (37 %), Stürze und Absturz (51 %).
- 1/3 der Verunfallten sind unverletzte Wanderer.
Präventionsmaßnahmen sind Trittsicherheit, passende Ausrüstung und eine gute Tourenwahl, um z. B. Stürze zu vermeiden. Eine gute Fitness sowie Selbsteinschätzung und frühzeitiges Umkehren helfen gegen Erschöpfung und Herz-Kreislauf-Probleme. Zudem reduziert eine gute Touren- sowie Zeitplanung und ein Check der aktuellen Verhältnisse das Verirren.
Eigenverantwortliches Handeln sollte im Mittelpunkt stehen und man sollte sich immer selbst die Frage stellen, ob das eigene Können, die Kondition und die Ausrüstung für die aktuellen Bedingungen und die gewählte Tour passend sind.
Susanne Mitterer referierte vor vollem Saal.
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com
Links & Publikationen:
- Abo Magazin analyse:berg Winter & Sommer
- Alpin-Fibelreihe des Kuratoriums
- Alpinmesse / Alpinforum 2025
- Kontakt ÖKAS:
Susanna Mitterer, Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit, Olympiastr. 39, 6020 Innsbruck, susanna.mitterer@alpinesicherheit.at, Tel. +43 512 365451-13









