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Launch AlpsWatch, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Naturgefahren-Beobachtungen per App

Vorstellung des AlpsWatch Projektes von den Anfängen über die Lösungsansätze bis zum Ergebnis. Im Anschluss folgte ein Ausblick auf die Weiterentwicklung und der offizielle Launch der AlpsWatch v1 durch Landesrat Mario Gerber.
Michael Rosendorfer, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Michael Rosendorfer, Geschäftsführer des Tiroler Bergsportführerverbandes
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Michael Rosendorfer
Mag. (WU Wien), Geschäftsführer des Tiroler Bergsportführerverbandes, vormals Managementberater für M&A Transaktionen, Tiroler Bergwanderführer

Martin Rutzinger, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Martin Rutzinger, Institut für Geographie, Universität Innsbruck
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Martin Rutzinger
Assoz. Prof., Institut für Geographie, Universität Innsbruck, Leiter der Forschungsgruppe Fernerkundung und Topographisches LiDAR und stellvertretender Institutsleiter

Was ist AlpsWatch?

In den letzten Jahren ist eine steigende Zahl an Menschen in den Bergen unterwegs – individuell oder auch in geführten Gruppen. Dadurch wird die Auseinandersetzung mit dem Thema Naturgefahren immer wichtiger. Dieses Bewusstsein gewinnt insofern an Bedeutung, da aufgrund der Klimaerwärmung Prozesse wie Steinschlag oder Erosionsprozesse vor allem im Nahbereich der Gletscher und durch den tauenden Permafrost in großen Höhen häufiger auftreten.

AlpsWatch-Folie 6, Alpinforum 2025

Folie aus dem Vortrag von Michael Rosendorfer und Martin Rutzinger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Die Idee

Die Alpen stehen an sich unter guter Beobachtung, sei es aus der Luft oder durch Satelliten. Es gibt auch sehr gut instrumentierte einzelne Untersuchungsgebiete, die detailliert mit Sensoren ausgestattet sind, und in denen sehr gute Erkenntnisse über die Prozesse und deren Eigenschaften erforscht werden. Generell fehlt jedoch derzeit eine gute flächendeckende Datengrundlage über aktuelle Prozesse im Hochgebirge. Hier kommt nun AlpsWatch ins Spiel.
AlpsWatch macht sich das Prinzip „Human as Sensors“ zu Nutze. Gemeinsam mit Bergsportführer:innen und ähnlich qualifizierten Alpinist:innen, die fast täglich im alpinen Raum unterwegs sind, ihre Gebiete sehr gut kennen und jegliche Veränderungen in der Landschaft sofort registrieren, wollen wir diese Naturgefahren-Beobachtungen strukturiert „sammeln“ und in der Bergsportberuf-Community teilen.

Die Entwicklung

In den letzten zwei Jahren hat das Projektteam diese Idee beharrlich umgesetzt und auf eine Gruppe von Personen zurückgegriffen, die beruflich oder in Vereinsform mit Verantwortung für Gruppen am Berg unterwegs sind. Diese sogenannte „Qualified Crowd“ dient uns zur Qualitätssicherung, weil diese Personen durchwegs eine solide Grundausbildung haben und somit beurteilen können, welche Prozesse sie in welcher Form im Gelände sehen. Außerdem haben sie aufgrund ihrer Tätigkeit ein eigenes Interesse daran, dass diese Daten möglichst korrekt erfasst werden.
In Bezug auf das Design haben wir uns ein smartes, intuitives Format überlegt, das auch während des Führens unkompliziert und effizient verwendet werden kann. Zusätzlich haben wir Hilfen eingebaut für all jene, die das Naturgefahrenszenario nur kurz beobachtet haben und das Ereignis später am Desktop eingeben oder aktualisieren möchten. Das betrifft z. B. um welches Event es sich genau handelt, Referenzen zur Größe des Naturereignisses oder welche Auswirkungen sich daraus auf Infrastrukturen ergeben. Außerdem haben wir uns ein wenig an Social Media Funktionalitäten angelehnt und die Eingabe spielerisch gestaltet, sodass sie nicht nur einfach ist, sondern auch Spaß macht.
Nach einem ersten Prototyp konnten wir die App als Betaversion im Juli 2025 launchen. Seither wird sie kontinuierlich weiter verbessert.

AlpsWatch-Folie 3, Alpinforum 2025

Folie zu den Entwicklungsschritten von AlpsWatch aus dem Vortrag von Michael Rosendorfer und Martin Rutzinger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Das Ergebnis

Wir haben nun also ein Tool, mit welchem die Ereignisse und aktuellen Naturraumprozesse im Gebirge erfasst werden. Diese werden in einer raumzeitlichen Datenbank gespeichert. Hier wird nicht nur der Prozess selbst verortet, sondern es wird auch die Zeit und die Größe des Prozesses abgespeichert. Wichtig ist zudem die Fotodokumentation, damit das Ereignis auch später noch besser beurteilt und vielleicht auch noch besser lokalisiert werden kann.
Mit diesen Daten, die über eine längere Zeit gesammelt und abgespeichert werden, haben wir die Möglichkeit zu sehen, ob es Gebiete gibt, in denen es aktuell häufiger zu Ereignissen kommt. Mit AlpsWatch wird dadurch eine Datenbasis bereitgestellt, die es bisher so noch nicht gegeben hat.

Folien zur Ansicht der AlpsWatch App aus dem Vortrag von Michael Rosendorfer und Martin Rutzinger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Die weiteren Schritte

Wir bleiben bemüht, AlpsWatch weiterzuentwickeln. Mittlerweile gibt es bereits eine automatische Grobverortung des Ereignisses, die sehr praktisch ist. Außerdem wollen wir die Nutzergruppen ausweiten: Haben wir uns anfangs vor allem auf Personen konzentriert, die beruflich oder semiberuflich in den Bergen unterwegs sind, wollen wir das nun auch auf Vereinsebene sowie auf andere aktive Alpinist:innen ausweiten.

Im Weiteren soll der geografische Wirkungsbereich der App ausgeweitet werden, also von Tirol ausgehend auf ganz Österreich und in Zukunft auch auf den gesamten Alpenbogen, was dem Namen AlpsWatch dann auch gerecht werden würde. Aktuell ist die App auf Deutsch und Englisch verfügbar, weitere Sprachen hinzuzufügen ist technisch keine große Herausforderung mehr.

Die wesentlichste Aufwertung der in AlpsWatch erfassten Naturgefahren-Ereignisse wird in der Einbindung der Daten in andere bestehende Plattformen wie etwa alpenvereinaktiv, outdooractive, Contwise Infra etc. bestehen. Hier sind wir bereits in Gesprächen, um vor allem relevante Ereignisse, die zu Infrastrukturbeeinträchtigungen führen (z. B. gesperrte Wege) anzeigen zu können. Zusätzlich sind Kooperationen mit anderen Tools geplant, wie etwa mit SNOBS – einem Lawinen-Beobachtungstool, das auf derselben technischen Plattform aufsetzt. All das kann man jedenfalls noch weiter denken, wir sind noch keinesfalls am Ende.

AlpsWatch-Folie 5, Alpinforum 2025

Folie zu den weiteren Schritten von AlpsWatch aus dem Vortrag von Michael Rosendorfer und Martin Rutzinger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Offizieller Launch AlpsWatch

Mario Gerber Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Landesrat Mario Gerber, zuständig für Digitalisierung und Tourismus im Land Tirol, leitete den offiziellen Launch des Projektes AlpsWatch ein.
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

AlpsWatch wird als Leuchtturmprojekt im Bereich Digitalisierung vom Land Tirol gefördert. Aus diesem Grund bedankt sich Mario Gerber, Landesrat für Wirtschaft, Tourismus und Digitalisierung, herzlich für die Arbeit an diesem Vorzeige-Projekt, welches sehr gut zu Tirol passt und einen wichtigen Beitrag sowohl für die Sicherheit in den Bergen als auch für die Digitalisierung leiste.

Launch AlpsWatch, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Die Projektverantwortlichen von AlpsWatch v. l. nach r.: Susanna Mitterer, Andreas Mayr, Michael Rosendorfer, LR Mario Gerber, Martin Rutzinger und Thomas Rabl
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Links & Publikationen:

ekas_analyse-berg_abo_2025