Skip to main content
Hochtourenunfaelle-Karte-anaylse-berg-sommer-2025

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Tschechisch Englisch Polnisch

Diesen Beitrag finden Sie auch in der Sommer-Ausgabe 2025 des ÖKAS Fachmagazins analyse:berg. Werden Sie Abonnent von analyse:berg. So bekommen Sie die Magazine gleich nach Erscheinen bequem nach Hause geliefert und unterstützen gleichzeitig die Arbeit des ÖKAS.

Von den drei tödlichen Hochtourenunfällen im Betrachtungszeitraum geschah einer im Jänner während einer Eistour im kombinierten Gelände durch einen Lawinenabgang. Die beiden anderen Unfälle ereigneten sich im klassischen Hochtourengelände mit zwei Gemeinsamkeiten: Bei beiden war die Kürsinger Hütte (2.548 m) Ausgangspunkt und bei beiden handelte es sich nicht um private, sondern um geführte Touren – zum einen um eine geführte Vereinstour und zum anderen um einen Lehrgang der Bergführerausbildung. Im Folgenden die Berichte der Alpinpolizei.
Hochtourenunfaelle-Karte-anaylse-berg-sommer-2025

Abb. 1: Die Unfallorte der beiden tödlichen Hochtourenunfälle. Am 29. Juni 2024 stürzte ein Aspirant bei einem Ausbildungskurs zum Österreichischen Berg- und Skiführer am Nordgrat des Großen Geigers (3.360 m) nach einem Seilriss tödlich ab. Am 13. August 2024 starb ein Teilnehmer einer geführten ÖAV-Tour, nachdem er im Abstieg unangeseilt in eine überdeckte Randkluft stürzte.
Karte: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen | © BEV, CC BY 4.0, data.bev.gv.at

Vorstiegssturz mit Seilriss,
Nordgrat Gr. Geiger/Venedigergruppe am 29.06.2024

Siegfried Berger
Polizeibergführer, Leiter Alpine Einsatzgruppe (AEG) Zell am See

Unfallhergang

Ein 26-jähriger Österreicher war am Samstag, den 29. Juni 2024, als Bergführeraspirant im Rahmen eines Ausbildungskurses im Obersulzbachtal (Gemeindegebiet Neukirchen, Salzburg) unterwegs. Geplant war die Besteigung des Großen Geigers (3.360 m) über den Nordgrat, welcher in einfacher Kletterei bis zum Schwierigkeitsgrad III (UIAA) bewältigt werden muss. Der Aspirant hatte die Aufgabe erhalten, seinen Ausbilder am Seil mit der entsprechend richtigen Sicherungstechnik zum Gipfel zu führen.

Gegen 08:30 Uhr lagen die Hauptschwierigkeiten bereits hinter der Seilschaft. Der weitere Weg führte über leichteres Gelände im Schwierigkeitsgrad I–II (UIAA). Den Ausbildungsrichtlinien entsprechend positionierte der Aspirant seinen Lehrer – der die Rolle eines Gastes simulierte – so auf einem acht bis zehn Quadratmeter großen Podest, dass er gegen ev. Steinschlag geschützt war. Der Weiterweg war gut einseh- und leicht einschätzbar. Von den 50 Metern Seil, die er für die Führungsarbeit bei sich führte, verwendete er ca. zehn Meter zum Sichern – der Rest war am Körper bzw. im Rucksack verstaut.

Nachdem er ca. zwei bis drei Meter nach oben weggestiegen war, rutschte ein Felsblock in der Größe von ca. 100×50×20 Zentimetern unter seinen Füßen weg, wodurch er das Gleichgewicht verlor. Sein Ausbilder – der sich im vermeintlich sicheren Gelände ohne Selbstsicherung aufhielt – konnte zwar das Seil mit den Händen ergreifen, den Absturz jedoch nicht verhindern. Nachdem er einen heftigen Ruck gespürt hatte, kam es zu einer Durchtrennung des Seils.

Der Ausbilder eilte sofort zum Abgestürzten, der etwa 50 Meter entfernt regungslos im Geröll liegen geblieben war. Es gelang ihm, einen großen Steinblock, der auf dem Aspiranten lag, wegzuheben und mit den notwendigen Rettungsmaßnahmen zu beginnen. Der mit dem Hubschrauber eintreffende Notarzt konnte allerdings nur mehr den Tod feststellen.

Unfallstelle-nordgrat-hoher-geiger-analyse-berg-sommer-2025

Abb. 2: Die Unfallstelle am Nordgrat des Hohen Geigers aus dem Hubschrauber. Eingezeichnet ist die Absturzstelle des Aspiranten und die Sturzbahn, nachdem das Seil zweimal gerissen war, sowie seine Endlage. Dort befindet sich der Ausbilder und zwei weitere Anwärter, welche Erste Hilfe leisten bzw. den Hubschrauber einweisen. Die restlichen Gruppenmitglieder sowie weitere Aspiranten mit ihren Ausbildern, die auch am Grat unterwegs waren, sind am Grat sichtbar.
Foto: Alpinpolizei

Rettungs- und Bergungsmaßnahmen

Unmittelbar nach dem Absturz wurde von der Unfallstelle ein Notruf abgesetzt und der Notarzthubschrauber (NAH) Martin 6 (Martin Flugrettung, Heli Austria) entsandt. Ein Alpinpolizist der PI Neukirchen/Großvenediger führte in der Folge die ersten Erhebungen durch.

Nachdem der Notarzt des NAH nur mehr den Tod des Verunfallten feststellen konnte, barg der Polizeihubschrauber Libelle Salzburg den Leichnam.

Erhebungsergebnis

Ein aus 42 Aspiranten bestehender Ausbildungskurs der Österreichischen Berg- und Skiführer bezog am 28. Juni 2024 Quartier auf der Kürsinger Hütte (2.548 m). Noch am selben Tag wurden einige Vorträge abgehalten, u. a. wurde auch das Thema „Führungstechnik“ behandelt, welches Inhalt der am nächsten Tag geplanten Tour war. Danach erfolgte die Aufteilung der Teilnehmer auf die Ausbilder und die Überprüfung der Ausrüstung. Die Gruppe des verunfallten Aspiranten umfasste neben ihm und dem Ausbilder noch vier weitere Teilnehmer, also insgesamt sechs Personen.

Abschließend musste noch die Tourenplanung für den nächsten Tag durchgeführt werden. Weil eine stabile Wetterlage vorhergesagt war, entschied man sich für eine etwa 11-stündige Tour. Detailgenau wurde bestimmt, wer wann welche Aufgaben zu erledigen habe. Der Abmarsch sollte gegen 05:00 Uhr erfolgen. Einigen der Teilnehmer war die Tour bereits bekannt und die Anforderungen entsprachen ihrem Ausbildungsstand.

Zusätzlich wurde noch ein GPS-Track über den Routenverlauf, der von der Kürsinger Hütte über den Nordgrat auf den Gr. Geiger führen sollte, erstellt.


Als analyse:berg-Abonnent:in oder ÖKAS-Mitglied geben Sie bitte das Ihnen zugesandte Passwort ein.
Als Alpenverein Austria-Mitglied verwenden Sie bitte Ihre Mitgliedsnummer zum Login.

Zum Abo

Vertrag widerrufen