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Philipp Brugger, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com
Zwei Nordwand-Trilogien in einer Woche: zuerst Eiger, Mönch und Jungfrau, sechs Tage später Fußstein, Schrammacher und Sagwand.
Philipp Brugger, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Philipp Brugger ist Profialpinist.
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Philipp Brugger
Profialpinist

Philipp Brugger, geboren 1991, ist ein österreichischer Spezialist für alpine Speedbegehungen und Trailrunner. Er hat Erstbesteigungen in Pakistan gemacht und mehrere Geschwindigkeitsrekorde in den Alpen aufgestellt. Angetrieben von der Faszination für schnelle Aufstiege und nicht vom Streben nach Rekorden, zeigt sich Philipps Leidenschaft für die Berge in seinen Leistungen.

#1
Eiger, Mönch und Jungfrau

Im Herbst 2021 kam Nicolas Hojac, ein Schweizer Profibergsteiger, mit einem sehr ambitionierten Projekt auf mich zu: die Nordwände von Eiger, Mönch und Jungfrau an einem Tag zu besteigen. Die Idee stammt ursprünglich von Ueli Steck und Stefan Siegrist, die im Jahr 2004 alle drei Nordwände in einem Zug kletterten, wobei sie ihr selbsternanntes Ziel, die Tour in 24 Stunden zu bewältigen, knapp verfehlten. Nicolas Hojac und Ueli Steck waren gut befreundet und waren der Ansicht, das Projekt könne auch schneller durchgeführt werden und das wollten sie gemeinsam angehen. Uli Steck verunglückte allerdings 2017 am Nuptse tödlich. Aus diesem Grund kam Nicolas Hojac auf mich zu und fragte mich, ob ich Lust hätte, das Projekt mit ihm zu verwirklichen.

Versuche und Training im Vorfeld

Ich war Feuer und Flamme. Ein erster Versuch im April 2022 scheiterte allerdings, war aber jedenfalls ein wertvoller Lernprozess. Ehrlicherweise fühlte ich mich damals auch nicht sonderlich gut dabei. Die Bedingungen – vor allem am Eiger – waren suboptimal: Alles was blank sein konnte, war blank. Immerhin sind wir bis zum Mönch-Gipfel gekommen, brauchten dafür vom Start Eiger-Nordwand 14 Stunden. Hätten wir nicht das ambitionierte Ziel von drei Nordwänden in 24 Stunden gehabt, wäre diese Zeit gar nicht so schlecht gewesen. Weiter zu gehen war dann aber keine Option mehr, weil die Motivation – der größte Ansporn des Bergsteigers – fehlte.

2023 wollten wir es wieder versuchen. In diesem Jahr haben sich aber nie gute Bedingungen ergeben – es war sehr trocken, im Frühjahr sehr wechselhaft.

2024 sollte wieder ein Versuch am Programm stehen. Allerdings war das für mich aus gesundheitlichen Gründen ein schwieriges Jahr und das Projekt musste abermals verschoben werden.

Im Dezember 2024 ging ich dann aber mit Lukas Waldner die Bonatti Route an der Matterhorn Nordwand bei sehr guten Bedingungen – quasi als Test, ob ich wieder fit bin. Mit Aufbruch in der Dunkelheit, zügigem Vorankommen und dem Erreichen des Gipfels war das vermutlich die erste Winterbegehung an einem Tag. Wir hätten allerdings auch keine entsprechende Ausrüstung für eine längere Tour wie Biwak-Sack etc. mitgehabt. Wir hatten großes Wetterglück: windstill, ein absoluter Traumtag.
Nach dieser Tour merkte ich, dass ich wirklich wieder fit war und begann ernsthaft, für das Projekt Nordwand-Trilogie zu trainieren.

Vortrag Brugger, Alpinforum 2025, Folie 4

Das Matterhorn als Trainingstour;
Folie aus dem Vortrag von Philipp Brugger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Der Tag der Nordwand-Trilogie Eiger, Mönch und Jungfrau

Anfang April 2025 fuhr ich dann zu Nicolas in die Schweiz. Am Jungfraujoch akklimatisierten wir uns ein wenig – immerhin bewegt man sich meist zwischen 3.000 und 4.000 Metern.

Vortrag Brugger, Alpinforum 2025, Folie 13

Die Route der 1. Trilogie: Eiger, Mönch und Jungfrau;
Folie aus dem Vortrag von Philipp Brugger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Am 5. April 2025 spurten wir in der Nacht zum Einstieg in die klassische Heckmair-Route am Eiger, wo wir um 1.00 Uhr einstiegen. Die gesamte Nacht über kletterten wir im Dunkeln, was aber immer noch besser ist, als im Dunklen zur Jungfrau zu kommen. Für die Eiger Nordwand brauchten wir 5:30 h. Unser Ziel war, fit am Eiger Gipfel anzukommen, quasi so als hätten wir erst den Zustieg hinter uns. Das funktionierte, weil wir sehr gut trainiert waren und fast alles am laufenden Seil gingen – normalerweise braucht man zwei Tage für die Eiger Nordwand. Wir gingen aber immer mit einem Tempo, bei dem wir uns wohl fühlten. Ich glaube, mein Puls ging über 120, 130 nie hinaus.

Dann stiegen wir vom Eiger Richtung Eigerjöcher ab. Wir mussten über den großen, spaltenreichen Gletscher spuren, wobei wir Glück hatten, denn aufgrund eines starken Sturms an den Vortagen, war der Schnee ziemlich hart. Den Mönch erklommen wir über die klassische Lauper-Route, stiegen zum Jungfraujoch ab, vorbei an vielen Asiaten – obwohl das Jungfraujoch auf 3.400 Metern liegt, ist man hier mit Steigeisen und Pickel fehl am Platz.

Es folgte der komplexe Zustieg zur Jungfrau Nord: Hierbei muss man zuerst den Hang queren, abseilen bzw. absteigen. Dann weiter einen 80 Grad steilen Eisfall hinauf ins Gletscherbecken, es folgen noch ein Coluar und wieder ein Gletscherbecken, ehe man die eigentliche Lauper-Route erreicht, die zur Jungfrau führt.

Insgesamt bewältigten wir 3.600 Höhenmeter an Wandkletterei. Unsere Zeit betrug 15:30 h. Wir hatten aber das Gefühl, dass wir gar nicht genug gepusht hatten. An der Jungfrau hat sich alles ein wenig surreal angefühlt, wir waren nicht wirklich am Ende. Aber der Grat zwischen pushen und zu viel pushen ist ein schmaler. Man muss in einer Pulsrate gehen, die man 15 bis 20 Stunden durchhält.

#2
Nordwand-Trilogie: Fußstein, Schrammacher und Sagwand

Sechs Tage später, am 11. April 2025, war das Wetter immer noch gut und Lukas Waldner hatte die Idee – angelehnt an das Eiger-Mönch-Jungfrau-Projekt – bei uns zu Hause im Valsertal die drei markanten Nordwände – Fußstein Nordkante, Schrammacher die Diagonale und auf der Sagwand die Rampe – zu klettern und zwar innerhalb von 24 Stunden.

Vortrag Brugger, Alpinforum 2025, Folie 15 | ÖKAS

Die Route der 2. Trilogie: Fußstein, Schrammacher und Sagwand;
Folie aus dem Vortrag von Philipp Brugger im Rahmen des Alpinforums 2025.

Unser Gegner war die tageszeitliche Erwärmung. Wir wussten, sind wir am Nachmittag auf der Sagwand, können wir nicht absteigen und müssen warten, bis es wieder dunkel ist. Das wollten wir also vermeiden.

Wir stiegen um 0:00 Uhr bei Vollmond in die Nordkante des Fußsteins ein, brauchten 1:45 h bis zum Ausstieg. 5 bis 6 Stunden später zu Sonnenaufgang waren wir bereits mitten in der Schrammacher Diagonale, die uns ein wenig aufgehalten hat, weil wir alles spuren mussten, zum Teil recht tief. Dafür brauchten wir rund 3 h. Wir stiegen vom Schrammacher den exponierten Nordgrat ab und stiegen in die Sagwand Rampe ein, die wir beide gut kannten – Lukas ist sie alleine bereits in einer Stunde gegangen. Kurz vor 12.00 Uhr waren wir also auf der Sagwand Spitze, rechtzeitig für den Abstieg.

Sechs Tage nach der Nordwand-Trilogie Eiger-Mönch-Jungfrau gelang also auch diese 2. Nordwand-Trilogie in 11:50 h. Manchmal braucht man Jahre, um solche Projekte zu realisieren – eine sehr besondere Woche im April 2025 also, die ich nie vergessen werde.

Philipp Brugger, Alpinforum 2025. Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

Philipp Brugger während seines Vortrages im Rahmen des Alpinforums 2025.
Foto: Chris Riefenberg, chrisriefenberg.com

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