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Strindenscharte - Tannheimertal © Klaus Kranebitter - Tirol Werbung

Lesezeit: 04:30 Minuten

Quelle: Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit/BMI Alpinpolizei
Betrachtungszeitraum: 01.05.2026 bis 13.09.2026
Abfragezeitpunkt Datenbank: 15.09.2026

Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) präsentierte im Zuge der Pressekonferenz der Internationalen Bergtage in Wien, am Freitag, 25.09.2026, einen Rückblick der Alpinunfälle im Bergsommer 2026. Dabei wurden die von der Alpinpolizei erhobenen Ereignisse im alpinen Gelände in Österreich für den Zeitraum 01.05.2026 bis 13.09.2026 der Disziplinen Wandern, Hochtour, Klettern und Klettersteig ausgewertet. Basis für die Auswertungen bilden die Einträge der Alpinpolizei in der Alpinunfalldatenbank. Ergänzungen dazu, detaillierte Auswertungen zu den jeweiligen Disziplinen sowie Fachbeiträge finden sich in analyse:berg, dem zweimal jährlich publizierten Fachmagazin des ÖKAS.
Internationale BergtagePresseaussendung

Bei den Internationalen Bergtagen in Wien, initiiert vom Alpenverein Austria zusammen mit den Naturfreunden Wien, dreht sich alles um die Zukunft des Alpinismus unter veränderten klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Zu den Grundlagen des Alpinismus zählen ein intakter Naturraum, Wissen und Ausbildung, Sicherheit und Risikokompetenz, Hütten und Wege, klimaverträgliche Mobilität, verantwortungsvoller Tourismus, gesellschaftlicher Zugang sowie das ehrenamtliche Engagement, das viele dieser Leistungen trägt.

Im Rahmen des Pressegesprächs Freitag Morgen, zogen Gerald Dunkel-Schwarzenberger (Präsident Verband alpiner Vereine Österreichs), Wolfgang Schnabl (Präsident Österreichischer Alpenverein) und Andreas Schieder (Vorsitzender Naturfreunde Österreich) erstmals gemeinsam Bilanz über die Folgen des Klimawandels für den Bergsport. Dieser verändert Routen, Risiken und die alpine Infrastruktur. Ein Aufruf an Bergsportler:innen, Vereine und insbesondere Politik, darauf zu reagieren.

Das ÖKAS untermauerte den nach wie vor steigenden Trend Bergsport zu betreiben mit Zahlen aus der Unfalldatenbank.

Mehr Unverletzte und Verletzte, weniger Alpintote

Auch im Sommer 2026 sind wieder mehr Alpinunfälle verzeichnet worden. Sowohl mehr als im Vorjahr als auch im 10-Jahre-Mittel im gleichen Betrachtungszeitraum. Die Hälfte der Unfälle ereigneten sich in Tirol, auch unter den Todesfällen ereigneten sich 33 von 62 in Triol. Bei den tödlichen Unfällen ereigneten sich 2026 deutlich weniger als im Vorjahr und im langjährigen Mittel (2026: 62; 2025: 78; 10-Jahre-Mittel: 80).
Wobei in jedem Bundesland (außer Tirol und Vbg) die Zahl der Alpintoten  unter dem Durchschnitt lag. Vorarlberg ereigneten sich 10 tödl. Unfälle (Mittel-10-Jahre: 7), in Tirol 7, was auch dem langjährigen Mittel entspricht.

Abb. 1: Rückblick Bergsommer von 01.05.2026 bis 13.09.2026 der Disziplinen Wandern, Hochtour, Klettern, Klettersteig nach Bundesland.

Abb. 2: Rückblick Bergsommer von 01.05.2026 bis 13.09.2026 der Disziplinen Wandern, Hochtour, Klettern, Klettersteig | Unverletzte, Verletzte und Tote von 2017 bis 2026.

Entwicklung der Alpinunfälle in den letzten 20 Jahren

Insgesamt verunfallten 2.742 Menschen im Betrachtungszeitraum (10-Jahre-Mittel: 2.351). Eine eindeutige Entwicklung zeichnet sich ab: Die Verletzten und Unverletzten-Zahlen sind in den letzten 20 Jahren deutlich angestiegen, während die Zahl der Alpintoten konstant bleibt (2026 verzeichneten wir einen Niedrigwert von 62 Toten, ähnlich 2014: 61)

Die Statistik zeigt, dass immer  mehr Menschen unverletzt in Bergnot geraten – 2026 etwa 70% mehr als noch 2017. Auch die Zahl der Verletzten ist deutlich gestiegen – um fast 50%. Interessant ist, dass die Zahl der tödlich Verunglückten über Jahre relativ konstant blieb – rund 80 Menschen pro Jahr in diesem Betrachtungszeitraum. Hier verzeichnen wir sogar in den 10-Jahre-Mitteln einen leichten Rückgang (2007 – 2016: 84, 2017 – 2026: 80).

Gering weniger Verunfallte als im Mittel gab es in den Sommern 2014 und 2025. Dies ist auf schwierige Bedingungen für Wanderer insbesondere im Monat Juli zurückzuführen (vgl. Wetterdaten GeoSphere Austria). 2025 verzeichnete man den nassesten Juli seit 2012 mit 42 % mehr Niederschlag und 27 % weniger Sonne. Also außergewöhnlich viele Regentage im Alpenraum mit häufig wechselnden Wetterbedingungen.  Im Juli 2014 verzeichnete man ebenso wechselhafte Wanderbedingungen: warm, aber häufige Regen- und Gewitterlagen, überdurchschnittlich viel Niederschlag, wenig stabile Schönwetterphasen, sowie lokal extreme Regenmengen.

Im Gegensatz dazu gab es im Sommer 2020 deutlich mehr Verunfallte als im langjährigen Mittel. Grund dafür war der Covid-Sommer zwischen den Lock-Downs im Frühjahr und Herbst: Die Unsicherheiten und Einschränkungen „zwangen“ zu Urlaub zu Hause, viel mehr Menschen trieb es in die Natur, zwischen Mai und September verzeichnete man 30% mehr Verunfallte (allein auf Klettersteigen 30% mehr Blockierte/Unverletzte). Der E-Bike-Boom führte auch in dem Bergen zu einem deutlichen Anstieg der Verunfallten.

Abb. 3: Rückblick Bergsommer von 01.05.2026 bis 13.09.2026 | Unverletzte, Verletzte, Tote nach Disziplinen (Wandern, Hochtour, Klettern, Klettersteig).

Im Zeitraum 01.05-13.09.2026 kamen insgesamt 104 Personen in Österreichs Bergen ums Leben. Die Disziplinen Wandern, Hochtour, Klettern und Klettersteig machen davon 60% aus. Die restlichen 42 Alpintoten (40%) entfallen auf: Mountainbiken (11), Flugunfall (5), Forstunfall (5), Suizid (11), Jagd (4), Straßenverkehr (3), Sonstiges (3).

Wandern ist die unfallträchtigste Disziplin im Bergsommer: 65% der Unverletzten, 47 % der Verletzten und 50% der Toten sind Wanderer.

Betrachtet man das Unfallgeschehen eines ganzen Jahres, entfallen 42% des gesamten Unfallgeschehens und 51% der Toten in Österreichs Bergen auf Sommerdisziplinen. Wandern weist dabei die zweithöchste Zahl registrierter Unfallbeteiligter über ein ganzes Jahr auf. Nur auf Piste/Skiroute werden mehr Verunfallte registriert. Insgesamt verunfallen im Sommer mehr Menschen tödlich als im Winter. Der Anteil an tödlich Verunglückten über ein ganzes Jahr ist beim Wandern am höchsten (40% entfallen auf Wandern).

Unfallursachen

Abb. 4: Rückblick Bergsommer von 01.05.2026 bis 13.09.2026 | Tote nach Unfallursache (Wandern, Hochtour, Klettern, Klettersteig).

30 Personen, das sind 46 %, verunglückten durch Sturz/Stolpern/Ausgleiten und/oder Absturz tödlich. 18 Personen (27 %) starben auf Grund einer Herz-Kreislauf-Störung. Dies entspricht in etwa dem langjährigen Mittel.

Bei 69 % der Verletzten ist die Unfallursache Sturz/Stolpern/Ausgleiten und/oder ein Absturz. 7% mussten auf Grund einer Erkrankung gerettet werden, sowie 6 % wegen einer Herz-Kreislauf-Störung. Bei 6 % war Erschöpfung ein Mitgrund für eine Verletzung.

Hautgründe für Rettungseinsätze von Unverletzten waren Erschöpfung (28 %) und Verirren/Versteigen (26 %).

Alter

Immer mehr unverletzte Menschen geraten in Bergnot – besonders Jüngere. Bei den 11-40-Jährigen übersteigt die Zahl der Unverletzten die Zahl der Verletzten noch deutlich. Ab etwa 41 Jahren dreht sich das Verhältnis zunehmend. Die meisten Toten fallen in die Altersgruppe 61-70: 17 Tote (Todesursachen: 9 Interner Notfall = HK oder Schlaganfall; 7 Sturz/Stolpern/Ausgleiten und/oder Absturz; 1 Steinschlag).

  • 11-40 Jahre: 57 % der Unverletzten, 32 % der Verletzten.
  • 41-70 Jahre: 35 % der Unverletzten, 51 % der Verletzten.

Abb. 5: Rückblick Bergsommer von 01.05.2026 bis 13.09.2026 | Unverletzte, Verletzte, Tote nach Alter (Wandern, Hochtour, Klettern, Klettersteig).

Hochtour – Spaltenstürze

Spaltenstürze ereigneten sich im Bergsommer 2026 fast dreimal so viele wie im 10-Jahre-Mittel (19 | Ø: 7). Davon endete ein Spaltensturz tödlich (Wildspitze, Tirol).

Prinzipiell herrschten gute Bedingungen für Hochtouren, da der Sommer geprägt war von langen, stabilen Schönwetterperioden. Herausforderungen und Ursachen waren dennoch die langanhaltenden Plusgrade über 3.000m Seehöhe, weniger Schnee und instabile Schneebrücken. Viele Wege führten über Blankeis was vermehrt zu Sturz/Stolpern/Ausgleiten bzw. Absturz in Gletscherspalte zu Folge hatte. Neue Routen mussten gewählt werden, man konnte sich teils nicht an die ursprüngliche Wegeempfehlung halten.

 

Erläuterungen zur Datengrundlage

Die Auswertungen basieren auf den erhobenen Daten der Alpinpolizei, welche sämtliche gemeldete Unfallereignisse im alpinen Gelände unabhängig vom Verletzungsgrad erhebt. Die vorliegenden Auswertungen spiegeln die Unfallzahlen zum Abfragezeitpunkt wider und geben keine Garantie auf Vollständigkeit. Einträge und Nachträge in die Alpinunfalldatenbank für den genannten Betrachtungszeitraum können auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Verunfallte: Gesamtzahl an Toten, Verletzten und Unverletzten
Verletzt umfasst: leicht verletzt, schwer verletzt, unbekannt, Verletzung unbestimmten Grades, lebensbedrohlich verletzt, Sonstiges und erkrankt.

Quelle: Alpine Unfalldatenbank – Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit/BMI Alpinpolizei
Betrachtungszeitraum: 01.05.2026 bis 13.09.2026
10-Jahre-Mittel (gerundet): 2017 bis 2026 (01.05. bis 13.09.)
Abfragedatum Datenbank: 16.09.2026

Pressekontakte:

Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
Geschäftsstelle Innsbruck
Olympiastrasse 39
6020 Innsbruck
office@alpinesicherheit.at, +43 512 365451

Statistik ÖKAS
Susanna Mitterer
susanna.mitterer@alpinesicherheit.at, +43 512 365451-13

Österreichischer Bergrettungsdienst (ÖBRD)
Martin Gurdet – Geschäftsführer ÖBRD, Vorstandsmitglied ÖKAS
martin.gurdet@alpinesicherheit.at, Tel. +43 1 251 1919 140

Termine:

22. und 23. November 2025: Alpinmesse & Alpinforum, Messe Innsbruck
Am Samstag, 22. November 2025, laden wir ab 9:00 Uhr herzlich zum ALPINFORUM bei der Alpinmesse Innsbruck ein.

Bildanhang & Pressetext:

Links & Publikationen:

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