
Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf:
Unfallberichte der Alpinpolizei
24. Oktober 2026
Dieser Beitrag dient als Ergänzung zum Beitrag „Unfälle mit Weidevieh“ aus der Sommer-Ausgabe 2026 des ÖKAS Fachmagazins analyse:berg # 31, den Sie auch online nachlesen können. Sollten im Laufe der Zeit weitere tödliche Kuhunfälle im alpinen Gelände passieren, werden wir diese ebenfalls hier abbilden.
Werden Sie Abonnent von analyse:berg. So bekommen Sie die Magazine gleich nach Erscheinen bequem nach Hause geliefert, können uneingeschränkt online lesen und unterstützen gleichzeitig die Arbeit des ÖKAS.
Begegnungen mit Weidevieh gehören zu vielen Bergwanderungen. Meistens verlaufen diese problemlos, tödliche Unfälle sind selten. Auf dieser Seite sammeln wir alle tödlichen Unfälle, die in der ÖKAS-Datenbank angeführt sind – meint also nur jene, die im alpinen Gelände passieren und bei denen die Alpinpolizei bzw. alpine Rettungskräfte angefordert werden mussten.
Die aktuellen (Stand Herbst 26) sechs Unfallberichte aus den Jahren 2013 bis 2025 schildern Angriffe auf Wandernde mit Hunden sowie einen tödlichen Vorfall beim Füttern einer Ochsenherde. Auf Grundlage polizeilicher Erhebungen und eines bereits in analyse:berg veröffentlichten Berichts, dokumentieren wir die bekannten Abläufe und Umstände.
Die Fallsammlung ergänzt den Beitrag „Kühe auf der Alm. Unterschätzte Gefahr?“ von Christina Schwann in analyse:berg # 31, Sommer 2026. Sie behandelt dieses Thema umfassend und erläutert u. a. warum es zu solchen Angriffen kommt, wie die Stakeholder darauf reagieren und welche Maßnahmen bisher gesetzt wurden.
Inhalt
-
#6 August 2025, Schladming (St): Tödlicher Weideunfall bei der Austriahütte
-
#5 Juni 2024, Bad Hofgastein (S): Tödlicher Weideunfall bei der Weitmoserhütte
-
#4 Juli 2023, St. Georgen am Kreischberg (St): Tödlicher Weideunfall bei der Zechnerhütte
-
#3 Juni 2017, Erl (T): Tödlicher Weideunfall am Kranzhorn
-
#2 Juli 2014, Pinnistal (T): Weidende Kühe als Gefahr für Wanderer
-
#1 September 2013, Türnitz (Nö): Tödlicher Weideunfall auf der Mittereckalm
#6 August 2025, Schladming (St): Tödlicher Weideunfall bei der Austriahütte
Am 31. August 2025 wurden zwei Wandernde mit einem Hund auf der Zufahrtsstraße zur Austriahütte von mehreren Kühen niedergetrampelt. Eine Frau wurde schwer verletzt. Ein Mann erlitt schwerste Verletzungen und starb noch am selben Tag im Krankenhaus. Nach Zeugenaussagen richtete sich die Aggression der Tiere hauptsächlich gegen den Hund.
Ausgangssituation
Die beiden Wandernden waren mit einem Hund unterwegs. Ihr Ausgangspunkt war ein nahegelegener Gasthof. Der Unfall ereignete sich auf der Zufahrtsstraße zur Austriahütte, die zugleich als Wanderweg ausgewiesen ist. Die betreffende Herde bestand aus vier Mutterkühen, drei Kälbern und zwei Kalbinnen.
Unfallhergang
Gegen 17.45 Uhr wurden die Frau und der Mann etwa 30 Meter nördlich der Austriahütte von mehreren Kühen niedergetrampelt. Beide erlitten durch Tritte und Stöße der Tiere erhebliche Verletzungen. Welche Tiere der Herde die Verletzungen verursachten, konnte bei den polizeilichen Erhebungen nicht festgestellt werden.
Zeugen berichteten, dass sich die Aggression der Kühe hauptsächlich gegen den mitgeführten Hund gerichtet habe. Der Kurzbericht enthält keine näheren Angaben zur Abfolge des Vorfalls oder dazu, ob der Hund angeleint war.
↑ Vergleich topografische Ö-Karte und Orthofoto von Austrian Map mit dem Unfallort auf der Zufahrtstraße zur Austriahütte, wo ein Ehepaar mit Hund von mehreren Kühen niedergetrampelt wurde, wobei eine Person schwer verletzt und eine getötet wurde. Datenquelle: basemap.at
↑ Der ca. Unfallort herausgezoomt im Orthofoto und der Blick vom Unfallfort Richtung Austriahütte bzw. talwärts.
Datenquelle: basemap.at
Foto: Alpinpolizei
Unfallfoglen
Die Wanderin wurde schwer verletzt. Der Wanderer erlitt schwerste Verletzungen und verstarb noch am Unfalltag im Krankenhaus. Zum Ablauf der Rettung enthält der Kurzbericht keine Angaben. Der Hund wurde im Zuge der Erhebungen verletzt beim nahegelegenen Gasthof aufgefunden, von dem aus die Wanderung begonnen hatte.
Ermittlungsergebnisse
Die Zufahrtsstraße zur Austriahütte wird in der Hauptsaison nahezu täglich von Wandernden genutzt, darunter auch Personen mit Hunden. Der Polizeiinspektion Schladming waren in diesem Bereich bis zum Zeitpunkt des Kurzberichts keine früheren Vorfälle bekannt, bei denen es zu Problemen zwischen Wandernden, Hunden oder Weidetieren gekommen war.
Die Zeugenaussagen beschreiben den Hund als hauptsächliches Ziel der Aggression. Eine abschließende Rekonstruktion des genauen Unfallablaufs oder eine Aussage zu einer rechtlichen Verantwortlichkeit enthält der Kurzbericht nicht.
Daniel Pilz
Alpinpolizist, AEG Liezen
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wird für Beiträge dieser Rubrik redaktionell zusammengefasst und bearbeitet. Personenbezogene Daten werden entfernt, Fotos & Grafiken tw. bearbeitet bzw. ergänzt.
#5 Juni 2024, Bad Hofgastein (S): Tödlicher Weideunfall bei der Weitmoserhütte
Am 26. Juni 2024 wurde eine Mutter und ihre zwei Töchter, die mit zwei Hunden auf dem Weg zur Weitmoserhütte waren von einer Kuhherde attackiert. Die Mutter wurde tödlich, eine Tochter schwer verletzt.
Ausgangssituation
Am 26.06.2024, gegen 11:30 Uhr begab sich eine Mutter mit ihren zwei Töchtern mit der Gondel zur Bergstation der Schlossalmbahn in 5630 Bad Hofgastein, um eine Wanderung zu machen. Dabei waren noch zwei kleinere Hunde.
Unterhalb der Weitmoserhütte (Schloß Hochalm) konnten die Drei schon mehrere hundert Meter entfernt eine Kuh-Herde sehen, welche sich direkt auf der Schotterstraße befand. Als sie weiter den Weg in Richtung Tal wanderten, kamen sie der Kuhherde näher.
↑ Vergleich topografische Ö-Karte und Orthofoto von Austrian Map mit dem Unfallort unterhalb der Weitmoserhütte (Schloß Hochalm), wo eine Mutter, die mit ihren zwei Töchtern und zwei Hunden talabwärts unterwegs war, von einer Kuhherde angegriffen wurde. Die Mutter wurde tödlich, eine Tochter schwer verletzt. Datenquelle: basemap.at
↑ Vergrößerung der Ö-Karte und des Orthofoto von Austrian Map mit dem Unfallort unterhalb der Weitmoserhütte (Schloß Hochalm). Datenquelle: basemap.at
Unfallhergang
Gegen 13:35 Uhr nahm die Mutter einen der beiden Hunde auf den Arm und ging in Richtung der Kuhherde. Diese machten vorerst den Weg frei. Plötzlich rannte eine Kuh auf die Mutter zu. Die Mutter warf den Hund ihrer Tochter zu und versuchte wegzulaufen. In weiterer Folge liefen ihr dann ca. 20 bis 30 Kühe nach.
↑ Der ca. Unfallort von oben mit der Weitmoserhütte (Schloß Hochalm) und dem Standort der Kuhherde zum Zeitpunkt der Aufnahme (weiß). Das zweite Foto zeigt den ca. Unfallstandort im Bereich der Zufahrtsstraße aus einer anderen Perspektive. Foto: Alpinpolizei
Unfallfolgen
Die Mutter wurde von der Kuhherde erfasst und niedergetrampelt. Eine Tochter nahm einen Ast und versuchte die Kühe zu vertreiben. Jedoch wurde auch sie von einer Kuh umgestoßen und niedergetrampelt. Sie schaffte es aufzustehen und vor den Kühen zu flüchten. Anschließend verständigte sie telefonisch den Notruf.
Die zweite Tochter konnte rechtzeitig flüchten und wurde nicht erfasst.
Eine Reanimation der Mutter verlief erfolglos. Ebenso wurde eine der Töchter durch diesen Vorfall schwer verletzt.
Patrick Schaupper
Alpinpolizist, AEG St. Johann im Pongau
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wird für Beiträge dieser Rubrik redaktionell zusammengefasst und bearbeitet. Personenbezogene Daten werden entfernt, Fotos & Grafiken tw. bearbeitet bzw. ergänzt.
#4 Juli 2023, St. Georgen am Kreischberg (St): Tödlicher Weideunfall bei der Zechnerhütte
Am 24. Juli 2023 verunglückte ein Landwirt auf einer Weide nordwestlich der Frauenalpe im Gemeindegebiet von Sankt Georgen am Kreischberg tödlich. Nach den polizeilichen Erhebungen wurde er vermutlich beim Füttern seiner Ochsen überrannt. Eine Angehörige fand ihn am frühen Abend leblos auf der Weide.
Ausgangssituation
Der Landwirt brach gegen 13 Uhr von seinem Hof auf, um nach seiner Rinderherde zu sehen. Auf einer Almwiese im Bereich der sogenannten Zechnerhütte hielt er 15 Ochsen. Die Weide lag südlich des Ortsteils Kaindorf auf rund 1.526 Metern Seehöhe, nordwestlich der Frauenalpe.
Unfallhergang
Der genaue Ablauf des Unfalls wurde nicht unmittelbar beobachtet. Aufgrund der vorgefundenen Situation ging die Polizei davon aus, dass der Landwirt bei der Fütterung mit Getreide von den Ochsen überrannt worden war. Sein Mobiltelefon, ein Holzstock und ein Sack mit Getreide lagen etwa 20 Meter oberhalb der Auffindungsstelle auf der leicht abschüssigen Wiese.
In der rechten Hand hielt der Verunglückte noch einen Hosenträger. Die Polizei deutete dies als möglichen Hinweis darauf, dass er versucht hatte, sich damit gegen die Tiere zu wehren. Diese Annahme lässt sich aus dem Bericht nicht unabhängig bestätigen. Der Todeszeitpunkt wurde bei der ärztlichen Untersuchung anhand der Totenflecken auf den Zeitraum zwischen 14.30 und 15 Uhr geschätzt.
↑ Vergleich topografische Ö-Karte und Orthofoto von Austrian Map mit dem ca. Unfallort auf einer Almwiese unterhalb der Zechnerhütte, wo der Landwirt 15 Ochsen hielt. Als er nach ihnen sehen bzw. sie füttern wollte, wurde er von ihnen tödlich verletzt. Datenquelle: basemap.at
↑ Vergrößerung der Ö-Karte und des Orthofotos von Austrian Map mit dem ca. Unfallort auf der Almwiese unterhalb der Zechnerhütte. Datenquelle: basemap.at
Auffindung und Bergung
Als der Landwirt gegen 17.30 Uhr noch nicht zurückgekehrt war, wurde innerhalb der Familie nach ihm gefragt. Eine Angehörige machte sich daraufhin auf den Weg zur Weide. Sie fand ihn leblos vor; die Ochsen standen noch um seinen Körper. Um 18.10 Uhr setzte sie den Rettungsnotruf ab und verständigte zudem einen ihr bekannten Bergretter.
Da der Tod bereits offensichtlich eingetreten war, wurde der Rettungshubschrauber abbestellt. Polizei und Bergrettung begaben sich zum Unfallort. Auch beim Eintreffen des Arztes befanden sich die Ochsen noch beim Verunglückten und mussten weggetrieben werden.
Bei der Totenbeschau vor Ort um 19.30 Uhr stellte der Arzt ein Polytrauma, ein Schädel-Hirn-Trauma und zahlreiche Prellungen fest. Der Polizeihubschrauber Libelle Steiermark barg den Leichnam mittels Tau und flog ihn ins Tal. Am Einsatz waren unter anderem 15 Mitglieder der Bergrettung Murau sowie Alpinpolizei und weitere Polizeikräfte beteiligt.
↑ Blick talwärts über die Almwiese mit dem ca. Auffindeort des von seinen Ochsen getöteten Landwirtes. Foto: Alpinpolizei
Ermittlungsergebnisse
Die Polizei dokumentierte die Auffindungssituation und führte weitere Erhebungen durch. Ein Fremdverschulden konnte nicht ermittelt werden. Nach der Verständigung am Abend gab die Staatsanwaltschaft den Leichnam zur Beerdigung frei. Der genaue Auslöser und die Abfolge des mutmaßlichen Überrennens bleiben im Bericht offen.
Bernhard Schreilechner
Alpinpolizist, AEG Murtal
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wird für Beiträge dieser Rubrik redaktionell zusammengefasst und bearbeitet. Personenbezogene Daten werden entfernt, Fotos & Grafiken tw. bearbeitet bzw. ergänzt.
#3 Juni 2017, Erl (T): Tödlicher Weideunfall am Kranzhorn
Am 7. Juni 2017 wurden zwei Wanderinnen beim Queren einer Mutterkuhweide nahe der Kranzhorn-Alm im Gemeindegebiet von Erl von Kühen angegriffen. Eine Frau erlitt tödliche Verletzungen, ihre Begleiterin wurde leicht verletzt. Auch einer der beiden mitgeführten Hunde wurde getötet.
Ausgangssituation
Die beiden Wanderinnen waren mit ihren Hunden über den Almweg zur Kranzhorn-Alm aufgestiegen und dort eingekehrt. Für den Rückweg entschieden sie sich, den markierten Wanderweg in Richtung Bubenau zu nehmen.
Dieser Weg führte durch ein eingezäuntes Weidegrundstück. Auf der Weide befanden sich zehn Mutterkühe mit sieben Kälbern. Hinweisschilder machten auf die Mutterkühe und ihre Jungtiere aufmerksam. Der spätere Unfallort lag etwa 40 Meter südwestlich der Kranzhorn-Hütte auf rund 1.220 Metern Seehöhe.
↑ Vergleich topografische Ö-Karte und Orthofoto von Austrian Map mit dem ca. Unfallort in unmittelbarer Nähe der Kranzhornalm. Zwei Wanderinnen mit ihren beiden Hunden wurden von Kühen angegriffen, wobei eine Wanderin und ihr Hund getötet wurden. Datenquelle: basemap.at
↑ Vergrößerung der Ö-Karte und des Orthofotos von Austrian Map mit dem ca. Unfallort direkt neben der Kranzhornalm. Datenquelle: basemap.at
Unfallhergang
Gegen 14 Uhr ging eine der beiden Frauen voraus. Ihr Hund war nach ihrer Aussage an einer Laufleine angeleint. Sie fotografierte das Panorama und wurde unmittelbar danach von Kühen umgestoßen. Dabei stürzte sie auf die linke Körperseite. Aus welcher Richtung die Tiere gekommen waren, konnte sie bei der polizeilichen Erstbefragung nicht angeben.
Die Kühe liefen anschließend weiter zur zweiten Wanderin. Auch diese wurde zu Boden gestoßen und von den Tieren überrannt. Sie erlitt dabei tödliche Verletzungen. Nach der Darstellung im Abschlussbericht dürfte sie ihren Hund getragen haben. Ihre Begleiterin konnte allerdings nicht sagen, ob dieser Hund angeleint gewesen war. Der ebenfalls tödlich verletzte Hund wurde etwa zehn Meter von der Frau entfernt in Richtung des Sees aufgefunden.
Christoph Silberberger
Alpinpolizist, Leiter AEG Kufstein
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wird für Beiträge dieser Rubrik redaktionell zusammengefasst und bearbeitet. Personenbezogene Daten werden entfernt, Fotos & Grafiken tw. bearbeitet bzw. ergänzt.
#2 Juli 2014, Pinnistal (T): Weidende Kühe als Gefahr für Wanderer
Dieser Beitrag wurde in der 11. Ausgabe von analyse:berg (Sommer 2016) abgedruckt. Autor war der Alpinpolizist Thomas Zingerle.
Im vergangenen Sommer gab es mehrere schwere Zwischenfälle bei denen Wanderer von Weidevieh attackiert wurden. Der tragischste Unfall passierte im Stubaital, wo eine Frau tödlich verletzt wurde.
Am Nachmittag des 28.7.2014 befand sich eine 45-jährige deutsche Staatsangehörige im Gemeindegebiet von Neustift i. St. im Pinnistal beim Wandern. Bei sich hatte sie einen Hund der Rasse „Kerry Blue Terrier“. Den Hund hielt sie an einer kurzen Leine, welche sie sich mit einem Schnappkarabiner um die Hüfte gebunden hatte.
Eine Gehminute unterhalb der Pinnisalm hielt sich eine Herde von weidenden Kühen und Kälbern auf. Plötzlich, als die Frau mit ihrem Hund an den Tieren vorbeiwanderte, wurden sie von mehreren Kühen und Kälbern abgedrängt und mit den Hörnern attackiert. Im Zuge dessen stürzte die Frau und wurde von den Tieren zertrampelt. Ein Mann befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Nähe und verfolgte den Angriff. Er eilte der Frau sofort zu Hilfe, schaffte es aber nicht, die Rinder fortzutreiben. Erst als weitere Personen eintrafen und der Hund flüchtete, löste sich die Ansammlung der Tiere rund um die am Boden liegende Frau auf.
Die Hundehalterin reagierte vorerst auf die Helfer, die bis zum Eintreffen des Notarztes Erste Hilfe leisteten. Gleich danach verlor sie aber das Bewusstsein und verstarb noch an der Unfallstelle.
↑ Vergleich topografische Ö-Karte und Orthofoto von Austrian Map mit dem ca. Unfallort direkt unterhalb der Pinnisalm. Eine Wanderin, die mit ihrem Hund auf der Forststraße unterwegs war, wurde von Kühen tödlich verletzt. Datenquelle: basemap.at
Verletzungen und Todesursache
Als Todesursache wurde von der Gerichtsmedizin in Innsbruck eine Verletzung des Herzens, verursacht durch massiven Druck und Gewalteinwirkung auf den Brustkorb, genannt. Des Weiteren erlitt die Frau äußere und innere Verletzungen im Bereich des Brustkorbes und eine fingertiefe Stichwunde, die durch einen Stoß mit einem Horn entstanden sein muss.
Laut Zeugenaussagen beteiligten sich mehrere Kühe und Kälber am Angriff gegen die Frau und ihren Hund. Im Nachhinein konnte nicht mehr festgestellt werden, welche Tiere die Frau angegriffen und die Verletzungen verursacht hatten. Der Hund konnte am 29.7.2014, einen Tag nach dem Unfall, eingefangen werden und wies leichte Verletzungen auf.
Vorangegangener Unfall
Im Zuge der Ermittlungen zum oben beschriebenen Unfall wurde bekannt, dass es bereits eine halbe Stunde zuvor nahezu an derselben Stelle zu einem ähnlichen Vorfall gekommen war. Eine italienische Familie ging mit zwei angeleinten Hunden entlang des Wanderweges. Auf Höhe der Pinnisalm bewegte sich einer der Hunde auf ein Kalb zu, ohne es aber anzubellen. In diesem Moment stürmten mehrere Kühe auf die 43-jährige Hundehalterin und ihren Hund zu und zeigten sich sehr aggressiv. Die Frau wurde von einer Kuh linksseitig mit den Hörnern erfasst und zu Boden geschleudert. Ihr Mann schaffte es schließlich, durch lautes Schreien und Klatschen die Kühe zu vertreiben, der Hund hatte inzwischen die Flucht ergriffen.
Durch den Sturz auf den Boden erlitt die Frau Abschürfungen und Prellungen.
Weidegebiet und Haltung der Tiere
Die Haltung der Tiere, die sich auf der Weide befanden und von denen der Angriff ausgegangen war, nennt man Mutterkuhhaltung. Dabei verbringen die Kälber den Sommer gemeinsam mit den Mutterkühen auf der Alm. Diese Tierhaltung dient ausschließlich der Fleischgewinnung. Das Weidegebiet umfasst den Talboden des Pinnistals im Bereich der Pinnisalm. Dieses ist an beiden Enden von Zäunen begrenzt, die den Talboden queren. Durch das Weidegebiet führen mehrere offizielle Wanderwege. Am Beginn der Wege hatte der verantwortliche Bauer Warnschilder mit Empfehlungen für Wanderer in Bezug auf das Verhalten gegenüber Weidetieren, insbesondere beim Mitführen von Hunden, angebracht.
Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens
Von der Staatsanwaltschaft Innsbruck wurden Ermittlungen gegen den verantwortlichen Besitzer der Kühe wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen angeordnet. Weil der Bauer im Vorhinein in mehreren Sprachen die erwähnten Warnhinweise am Beginn des Weidegebietes angebracht hatte, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.
Dem tragischen Unfall wurde sowohl in inländischen als auch in ausländischen Medien jeglicher Art – besonders in Deutschland – große Aufmerksamkeit geschenkt. Die ermittelnden Beamten erteilten der Presse zahlreiche Auskünfte und gaben eine Reihe von Interviews. Der Unfall hatte zur Folge, dass seitens der Landwirtschaftskammer und anderer Institutionen Empfehlungen und Regeln für den Umgang und die Haltung von Weidetieren erarbeitet wurden.
Keine Haftung für die Folgen einer „Kuhattacke“ auf Almweide
Aufgrund der Tatsache, dass es nach einem Zwischenfall mit Weidevieh zu einem Rechtsstreit kam, der durch alle Instanzen ging, erließ der Oberste Gerichtshof in seinem Urteil 2 Ob 25/15p vom 18. 2. 2015 folgendes Urteil, das insbesondere im Sinne der Almwirtschaft getroffen wurde.
Der Oberste Gerichtshof billigte die Rechtsansicht der Vorinstanzen als vertretbar, dass weder der Tierhalter noch der Eigentümer der Weide für die Verletzungsfolgen haften, die eine Wanderin durch den Angriff einer „Mutterkuh“ erlitten hat. Die Verletzte und ihr Begleiter hatten trotz eines entsprechenden Warnschilds bei der Benützung des über eine Alm führenden Wanderwegs zwei Jagdhunde mitgeführt.
Der Erstbeklagte ist Eigentümer mehrerer Rinder, die im Sommer auf einer dem Zweitbeklagten gehörenden Almweide weiden. Über diese Almweide führt ein Wanderweg, den die Klägerin und ihr Mann am Tag des Unfalls benützten. Beide führten jeweils einen Jagdhund an der kurzen Leine mit sich. Dabei wurde die Klägerin von einer Mutterkuh attackiert und verletzt. Zum Unfallzeitpunkt waren bei beiden Zugängen zur Weide Warnschilder mit der Aufschrift „Achtung Mutterkühe! Mitführen von Hunden auf eigene Gefahr“ aufgestellt.
Die Klägerin begehrte Schadenersatz. Sie brachte vor, die Beklagten hätten ihrer Pflicht zur sicheren Verwahrung der Kühe durch Aufstellung eines Warnschilds nicht ausreichend entsprochen und die Kühe mit einem Zaun vom Wanderweg fernhalten müssen. Die Vorinstanzen wiesen das Klagebegehren ab.
Der Oberste Gerichtshof wies die Revision der Klägerin mangels Vorliegens einer erheblichen Rechtsfrage zurück. Er verwies darauf, dass sich die Entscheidungen der Vorinstanzen im Rahmen der bisherigen Rechtsprechung zu vergleichbaren Fällen halten. Ferner betonte er, dass mit dem Warnschild gerade vor der hier verwirklichten Gefahr gewarnt worden ist und die im allgemeinen Interesse liegende Landwirtschaft nicht durch Überspannung der Anforderungen an die Verwahrung von Rindern unbillig belastet werden darf. Die freie Haltung von Rindern auf der Alm ist üblich.
Thomas Zingerle
Alpinpolizist
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wird für Beiträge dieser Rubrik redaktionell zusammengefasst und bearbeitet. Personenbezogene Daten werden entfernt, Fotos & Grafiken tw. bearbeitet bzw. ergänzt.
#1 September 2013, Türnitz (Nö): Tödlicher Weideunfall auf der Mittereckalm
Am 3. September 2013 kam ein Mann im Weidegebiet der Mittereckalm bei Türnitz tödlich zu Schaden. Er war mit seinem Hund unterwegs und hatte eine Rinderherde mit Muttertieren angetroffen. Nachdem der Hund ohne Begleitung aufgefunden worden war, suchte die Polizei nach dem Mann und fand ihn tot auf der Alm. Eine Obduktion bestätigte, dass die tödlichen Verletzungen von Rindern verursacht worden waren.
Ausgangssituation
Der Mann ging vom Hauserbach aus mit seinem Hund in Richtung des Almgebiets am Mittereck spazieren. Im Weidegebiet der Mittereckalm traf er auf eine Rinderherde mit Muttertierhaltung. Sein Fahrzeug war rund eineinhalb Kilometer von der späteren Auffindungsstelle entfernt abgestellt.
Unfallhergang
Nach der erhaltenen polizeilichen Chronik wurde der Mann von Muttertieren angegriffen. Dabei erlitt er ein stumpfes Brustkorb- und Bauchtrauma sowie schwere Kopfverletzungen, die tödlich waren. Als möglicher Auslöser wurde der mitgeführte Hund vermutet. Der genaue Ablauf der Attacke und der Umgang mit dem Hund sind in der vorliegenden Zusammenfassung nicht beschrieben.
Suche und Auffindung
Eine Spaziergängerin bemerkte den herrenlosen Hund und verständigte die Polizei. Polizeikräfte konnten ihn im Bereich eines abgestellten Fahrzeugs einfangen. Über das Fahrzeug wurde der Halter ermittelt. Da dieser telefonisch nicht erreichbar war und sein Aufenthaltsort zunächst nicht geklärt werden konnte, begann die Suche.
Kurze Zeit später fanden die Polizeikräfte den Mann im Weidegebiet der Mittereckalm am Boden liegend. Er zeigte keine Vitalfunktionen mehr; laut Chronikeintrag war die Leichenstarre bereits eingetreten.
Ermittlungsergebnisse
Eine Obduktion ergab, dass die Verletzungen von Rindern zugefügt worden waren. Eine Fremdeinwirkung durch einen Menschen wurde nach der überlieferten Darstellung ausgeschlossen. Der vermutete Zusammenhang zwischen dem mitgeführten Hund und dem Angriff bleibt eine Annahme.
Die ursprünglichen Unfallakten waren zum Zeitpunkt der späteren Zusammenfassung bereits ausgesondert worden. Die wesentlichen Umstände konnten jedoch aus der Chronik der Polizeiinspektion Türnitz rekonstruiert werden.
Bernhard Kogler
Alpinpolizist, Leiter AEG Niederösterreich-West
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wird für Beiträge dieser Rubrik redaktionell zusammengefasst und bearbeitet. Personenbezogene Daten werden entfernt.












