
Unfallbericht der Alpinpolizei
Datum: 11. September 2026
Dieser Beitrag dient als Ergänzung zu den statistischen Auswertungen von Blitzunfällen der letzten 20 Jahre sowie zum Beitrag „Gewitter – die atmosphärischen Lawinen des Sommers. Empfehlungen und Strategien“ von Karl Gabl im Fachmagazin analyse:berg Nr. 31, Sommer 2026.
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Verwallgruppe | Mittagspitze, 2.635 m | 15. Juni 2025
Am 15. Juni 2025 unternahm eine dreiköpfige Gruppe eine Bergtour auf die Mittagspitze (2.635 m) in der Verwallgruppe. Der Gipfel liegt im Bereich der Gemeindegrenze zwischen Flirsch und Pettneu am Arlberg.
Ausgangspunkt der Tour war die Ganatsch-Alm auf 1.863 Metern, wo das Fahrzeug der Gruppe abgestellt worden war. Die drei Personen wurden am Vormittag gegen 10:30 Uhr im Bereich der Alpe Ganatsch beim Aufstieg beobachtet. Nach Erreichen des Gipfels beschloss die Gruppe, aufgrund des schlechter werdenden Wetters rasch mit dem Abstieg zu beginnen. Dabei wurden alle drei Personen durch Blitzschlag tödlich verletzt.
Unfallhergang
Nach den durchgeführten Erhebungen erreichte die Gruppe den Gipfel der Mittagspitze zwischen 12:30 Uhr und 13:00 Uhr.
Kurz vor 13:00 Uhr bestand noch telefonischer Kontakt. Dabei wurde mitgeteilt, dass aufgrund eines aufziehenden Wetterumschwungs unverzüglich mit dem Abstieg zur Ganatsch-Alm begonnen werde.
Im Zuge des Abstiegs kam es auf einer Seehöhe von 2.268 Metern, oberhalb des als „in der Wanne“ bezeichneten Bereichs, zu einem Blitzunfall. Die Unfallstelle befand sich direkt am markierten Steig unterhalb des Gipfels der Mittagspitze.
Die genaue Unfallzeit konnte nicht unmittelbar festgestellt werden. Der polizeiliche Bericht grenzt den Zeitraum auf 13:00 bis 14:00 Uhr ein.
Abgängigkeitsmeldung und Suche
Nachdem die drei Personen bis 18:45 Uhr nicht zur Ganatsch-Alm zurückgekehrt waren und telefonisch nicht erreicht werden konnten, wurde die Polizei verständigt.
Erste Erhebungen bei umliegenden Almen sowie eine Mobiltelefon-Ortung verliefen ohne verwertbares Ergebnis. In weiterer Folge wurden die Alpinpolizei, die Bergrettung Pettneu am Arlberg sowie der Notarzthubschrauber C5 alarmiert.
Einsatzkräfte der Alpinpolizei stiegen unter schwierigen Bedingungen zu Fuß in Richtung Mittagspitze auf. Zu diesem Zeitpunkt herrschten Regen, Wind, Nebel und schlechte Sicht.
Bei einer zwischenzeitlichen Verbesserung der Sichtverhältnisse konnte der Notarzthubschrauber C5 einen Suchflug im festgelegten Suchgebiet durchführen. Dabei wurden die drei vermissten Personen auf 2.268 m Seehöhe reglos neben dem markierten Steig geortet.
Der Notarzt wurde in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle abgesetzt. Bei allen drei Personen konnte nur mehr der Tod festgestellt werden.
Situation an der Unfallstelle
Zum Zeitpunkt der Auffindung herrschten im Bereich der Unfallstelle starker Regen und teilweise stürmischer Wind.
Nach der visuellen Erkundung durch die Besatzung des Notarzthubschraubers wurden Einsatzkräfte der Alpinpolizei zur Unfallstelle geflogen. Nach Abschluss der Erhebungen vor Ort erfolgte die Bergung der Verstorbenen mit dem Notarzthubschrauber C5 und anschließend der Transport ins Tal.
Aufgrund der vorherrschenden Wetterlage war ein Einsatz eines weiteren Polizeihubschraubers nicht zweckmäßig. Im Bereich von Strengen bis ins Tal sowie im umliegenden alpinen Gelände bestanden dichte Nebelfelder und teilweise tiefe Bewölkung, wodurch die Sicht erheblich eingeschränkt war. Der Notarzthubschrauber verfügte zum Zeitpunkt der Alarmierung hingegen über Sichtverbindung zum vermuteten Einsatzgebiet.
Endlage bzw. Auffindesituation an der Unfallstelle im Bereich „in der Wanne“ unterhalb der Mittagspitze.
Foto: Alpinpolizei
Todesursache
Die nachfolgende kriminalpolizeiliche Untersuchung ergab bei allen drei Personen eindeutig Tod durch Blitzschlag als Todesursache.
Hinweise auf Fremdverschulden ergaben sich im Zuge der Erhebungen nicht.
Wetterlage
Für den 15. Juni 2025 lag ein Bergwetterbericht der GeoSphere Austria, Regionalstelle Tirol und Vorarlberg, vor.
Die Prognose war ab 15. Juni 2025, 06:00 Uhr UTC, gültig und war am selben Tag um 03:46 Uhr UTC ausgegeben worden.
Für den Tagesverlauf wurde eine zunehmend unbeständige Wetterentwicklung vorhergesagt. Bis in den frühen Nachmittag hinein waren im Gebirge noch trockene Verhältnisse und gute Sichtverhältnisse prognostiziert. Im weiteren Tagesverlauf sollte die Quellbewölkung rasch zunehmen, verbunden mit einer Verschlechterung der Sicht und verbreitet kräftigen Schauern oder Gewittern.
Die prognostizierte Temperatur betrug auf 2.000 m bis zu 20 °C und auf 3.000 m etwa 10 °C.
Der Höhenwind wurde als schwach bis mäßig aus West bis Südwest angegeben. In Gewitternähe war vorübergehend mit stürmischem Wind zu rechnen.
Blitzdatenauswertung
Im Rahmen der Erhebungen wurde durch die GeoSphere Austria auch eine Blitzdatenauswertung für den Bereich der Unfallstelle durchgeführt.
Untersucht wurde der 15. Juni 2025 innerhalb eines Gebietes von 3 × 3 Kilometern rund um den Unfallpunkt.
In diesem Bereich wurden insgesamt acht Blitze registriert. Laut dem vorliegenden Datenblatt handelte es sich dabei um Erde-Wolke-Blitze.
Von besonderer Bedeutung sind die Aufzeichnungen für 13:27 Uhr: Im unmittelbaren Nahbereich wurden zu diesem Zeitpunkt drei Blitzereignisse registriert. Laut Kartenauswertung erfolgte ein Blitzeinschlag direkt im Bereich der Unfallstelle.
Zusammenfassung
Die dreiköpfige Gruppe erreichte zwischen 12:30 und 13:00 Uhr den 2.635 m hohen Gipfel der Mittagspitze. Wegen des aufziehenden Wetterumschwungs wurde kurz vor 13:00 Uhr der sofortige Abstieg zur Ganatsch-Alm auf 1.863 m begonnen.
Auf 2.268 m Seehöhe, oberhalb des Bereichs „in der Wanne“, wurden die drei Personen später direkt neben dem markierten Steig aufgefunden.
Die Blitzdatenauswertung weist für 13:27 Uhr drei Blitzereignisse im unmittelbaren Nahbereich aus. Ein Blitz wurde laut Kartenauswertung direkt im Bereich der Unfallstelle registriert.
Alle drei Personen kamen durch Blitzschlag ums Leben. Fremdverschulden wurde im Zuge der Erhebungen ausgeschlossen.
Hinweis: Der Unfallbericht der Alpinpolizei wurde für diesen Beitrag redaktionell zusammengefasst. Sämtliche personenbezogene Daten wurden für die Veröffentlichung entfernt.
Unfallbericht
Patrick Wechner
Alpinpolizei AEG Landeck








